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Primärluft und Sekundärluft am Kaminofen richtig einstellen
02. September 2026Primärluft und Sekundärluft am Kaminofen richtig einstellenWenn das Feuer im Kaminofen nicht richtig sauber brennt, ist der erste Gedanke für viele das Holz. Allerdings liegt es daran gar nicht immer. Entscheidend ist, wie viel Luft zu welchem Zeitpunkt in den Brennraum strömt. Primärluft und Sekundärluft übernehmen dabei unterschiedliche Aufgaben, und wenn die beiden Regler nicht korrekt auseinandergehalten werden, bekommt man schnell eine verrußte Scheibe, schwarzen Rauch oder ein Feuer, das einfach nicht in Schwung kommt.
Mit etwas Hintergrundwissen ist die richtige Einstellung keine große Kunst. Lesen Sie weiter: Abicht Kachelöfen erklärt, wie Sie die Schieberegler in jeder Abbrandphase richtig einstellen und woran Sie merken, dass an der Luftzufuhr noch etwas zu justieren ist.
Was Primärluft und Sekundärluft am Kaminofen bewirken
Holz braucht für eine vollständige Verbrennung durchgehend Sauerstoff, allerdings nicht immer an derselben Stelle im Feuerraum. Aus diesem Grund unterscheiden Kaminöfen zwischen mehreren Luftströmen, die jeweils eine eigene Aufgabe im Brennprozess übernehmen.
Primärluft: der Sauerstoff für die Anzündphase
Die Primärluft strömt von unten durch den Aschekasten oder den Feuerrost in den Brennraum und versorgt die Glut direkt an ihrer Basis mit Sauerstoff. Sie ist beim Anzünden für die ersten Flammen absolut wichtig.
Sobald das Feuer richtig brennt, wird zu viel Primärluft aber zum Problem: Das Holz verbrennt dann zu schnell und unvollständig mit einer eher unruhigen statt gleichmäßigen Flamme. Deshalb wird der Primärluftregler nach der Anzündphase deutlich zurückgedreht, bei vielen Modellen fast bis zum Anschlag.
Sekundärluft: sauberes Nachbrennen der Holzgase
Die Sekundärluft strömt von oben oder von der Seite in den Feuerraum und streicht dabei häufig an der Innenseite der Sichtscheibe entlang. Das hält das Glas frei von Ruß und wird deshalb auch Scheibenspülung genannt.
Ihre eigentliche Funktion liegt allerdings woanders: Beim Verbrennen von Holz entstehen brennbare Gase, die erst mit zusätzlichem Sauerstoff vollständig verbrennen. Genau diesen Sauerstoff liefert die Sekundärluft während der Hauptbrandphase. Bleibt sie zu weit geschlossen, entweicht ein Teil dieser Gase ungenutzt durch den Schornstein, was Heizleistung kostet und den Ofen unnötig verschmutzt. Der Sekundärluftregler sollte deshalb während des gesamten Abbrands nie ganz geschlossen sein.
Tertiärluft: die dritte Luftzufuhr bei modernen Öfen
Manche neuere Kaminöfen haben zusätzlich eine Tertiärluftzufuhr, die von hinten oder von der Seite in den oberen Bereich des Feuerraums strömt und die Verbrennung der letzten Restgase unterstützt. Diese Luftmenge ist werkseitig fest eingestellt und lässt sich bei den meisten Geräten nicht manuell regulieren. Für die tägliche Bedienung spielt sie deshalb keine große Rolle, wichtig ist nur, dass die zugehörigen Öffnungen nicht durch Asche oder Rückstände verstopft sind.
Kaminofen-Schieberegler einstellen: Schritt für Schritt durch den Abbrand
Prüfen Sie im Zweifel einmal die Anleitung, da Hersteller die Regler unterschiedlich anordnen. Das Grundprinzip bleibt aber bei fast jedem Modell gleich.
1 Anzünden: beide Regler weit geöffnet
Beim Anfeuern werden Primärluft und Sekundärluft beide weit geöffnet, damit das Anzündholz schnell Feuer fängt und der Ofen zügig auf Temperatur kommt. Nach fünf bis zehn Minuten, wenn das Feuer kräftig steht, ist es Zeit für die erste Anpassung.
2 Hauptbrandphase: Primärluft drosseln, Sekundärluft übernimmt
Wenn das Holz dann kräftig brennt und eine ordentliche Glutschicht vorhanden ist, drehen Sie die Primärluft stark zurück, bei den meisten Öfen bis fast auf null.
Die Sekundärluft bleibt weiterhin geöffnet und übernimmt jetzt die Hauptarbeit: Über sie steuern Sie Flammenbild und Verbrennungstemperatur. Ein ruhiges, gelbliches Flammenbild ohne Rußbildung an der Scheibe ist Ihr Zeichen, dass die Einstellung passt. Wenn die Flamme dadurch zu unruhig oder zu klein wird, kann etwas mehr Sekundärluft nachjustiert werden.
3 Nachlegen und Glutphase
Beim Nachlegen von Holz sollte die Primärluft kurz wieder etwas geöffnet werden, damit das frische Scheit schnell anbrennt, und danach erneut drosseln. In der Glutphase des Feuers reicht eine geringe Menge Sekundärluft, um die Reste sauber ausglühen zu lassen, ohne dass unnötig viel warme Raumluft durch den Schornstein entweicht.
Woran Sie erkennen, dass die Luftzufuhr am Kaminofen falsch eingestellt ist
Das klassische Anzeichen für zu wenig Sekundärluft ist eine schwarz verrußte Sichtscheibe. Das passiert vor allem dann, wenn das Feuer schon länger mit fast geschlossenem Regler brennt.
Zieht schwarzer statt heller, kaum sichtbarer Rauch aus dem Schornstein, deutet das ebenfalls auf eine unvollständige Verbrennung hin, oft in Kombination mit feuchtem Holz.
Auf der anderen Seite steht ein Feuer, das viel zu schnell durchbrennt und kaum Wärme im Ofen speichert: Hier ist häufig die Primärluft während der Hauptbrandphase noch zu weit geöffnet.
| Problem mit dem Feuer | Lösung |
| Verrußte Scheibe | Mehr Sekundärluft einlassen |
| Schwarzer Rauch | Mehr Sekundärluft einlassen (oder trockeneres Holz) |
| Feuer brennt zu schnell durch | Primärluft stärker einschränken |
Wenn Sie diese Anzeichen bemerken, testen Sie einmal andere Einstellungen am Schieberegler, statt die Ursache im Brennholz oder am Ofen selbst zu suchen.
Regler-Positionen und Bauarten: Warum nicht jeder Kaminofen gleich reagiert
Verschiedene Hersteller und Modelle haben die Regler für Primär- und Sekundärluft an unterschiedlichen Stellen. Bei vielen Öfen sitzen beide Regler vorne unterhalb der Tür, teilweise als zwei getrennte Schieber, teilweise als ein einziger kombinierter Regler, der beide Luftmengen gemeinsam steuert.
Zusätzlich gibt es bei manchen Herstellern eine Drosselklappe im Ofenrohr, mit der man den Abgasstrom eigenständig regulieren kann. Diese Klappe wirkt indirekt auf den Zug im Feuerraum und damit auch auf die Wirkung von Primär- und Sekundärluft.
Wie stark ein Ofen auf eine bestimmte Reglerstellung reagiert, hängt außerdem vom Schornsteinzug, der Holzfeuchte und der Bauweise des Kamins ab. Zwei baugleiche Öfen in zwei unterschiedlichen Häusern können deshalb eine leicht andere Einstellung brauchen.
Wenn die Raumluft nicht ausreicht: externe Luftzufuhr für dicht gebaute Häuser
Jeder Kaminofen zieht seine Verbrennungsluft entweder aus dem Aufstellraum oder über eine externe Leitung von außen. In älteren, weniger gut gedämmten Gebäuden strömt über kleine Undichtigkeiten und beim Lüften genug Sauerstoff nach, sodass die Luftzufuhr über Primär- und Sekundärluftregler ausreicht. In modernen, gut abgedichteten Häusern oder Passivhäusern kann die Luft im Raum dagegen knapp werden, was sich in einem trägen Feuer oder Rauchaustritt beim Öffnen der Tür zeigt. In diesem Fall lässt sich der Ofen über ein Anschlussrohr an eine externe Luftzufuhr anschließen, die Frischluft direkt von außen oder aus einem gut belüfteten Nebenraum liefert. Ob das bei Ihrem Haus sinnvoll oder sogar vorgeschrieben ist, lässt sich am besten vor Ort mit einem Fachbetrieb klären.
Individuelle Einstellung statt starrer Regel
Alle Faustregeln zu Primärluft und Sekundärluft geben eine gute Orientierung, ersetzen aber nicht die Beobachtung des eigenen Ofens. Schornsteinhöhe, Holzsorte, Feuchtigkeit im Brennholz und selbst die Wetterlage beeinflussen, wie ein Kaminofen auf eine bestimmte Reglerstellung reagiert. Bei einem neuen Kaminofen oder nach dem Umzug in ein neues Zuhause findet sich die passende Einstellung am schnellsten, wenn das Flammenbild über mehrere Abbrände hinweg beobachtet und die Regler dabei in kleinen Schritten angepasst werden.
Als Familienbetrieb in siebter Generation kennen wir bei Abicht nicht nur den Bau von individuellen Kaminöfen, Kachelöfen und Kachelherden, sondern auch die kleinen Eigenheiten, die jeden Ofen anders reagieren lassen. Bei der Wartung Ihres Kaminofens prüfen wir Luftwege, Dichtungen und Schornsteinzug, damit Primärluft und Sekundärluft so wirken, wie es der Ofen vorsieht, und beraten Sie gern auch zur externen Luftzufuhr oder zur passenden Schornsteinsanierung.
Wenn Ihr Ofen nicht so brennt, wie Sie es sich vorstellen, oder Sie einen neuen Kaminofen mit durchdachter Verbrennungstechnik suchen, sprechen Sie uns an: über unser Kontaktformular oder direkt in unserer Ausstellung in Bad Düben bei Leipzig.
